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Sonntag, 12. September 2021

Tag des offenen Denkmals®
Die Hof Feldbach-Ruine im Fokus

Die Oranienstadt Dillenburg beteiligt sich am 12. September 2021 mit einem digitalen Beitrag am diesjährigen Tag des offenen Denkmals® und somit am größten Kulturevent Deutschlands. Im Fokus dabei steht die Kirchenruine Hof Feldbach.

Faszination Denkmal: Ob Befestigungsanlagen, Schiffe oder Kirchen, Industrieanlagen, Schlösser oder Windmühlen, Wohnbauten, Gärten oder archäologische Plätze – die Denkmale in Deutschland sind genauso abwechslungsreich wie seine Landstriche. Und genau das macht den Tag des offenen Denkmals® jedes Jahr so vielseitig, lebendig und spannend!

Am Tag des offenen Denkmals gehen Besuchende bei Präsenzveranstaltungen oder bei digitalen Aktionen auf eine spannende Entdeckungsreise. Denkmale, die für Interessierte normalerweise nicht zugänglich sind, öffnen an diesem Tag ihre Pforten.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als bundesweite Koordinatorin des Tags des offenen Denkmals® hat es sich zur Aufgabe gemacht, das einzigartige Event für die Denkmalpflege bundesweit sichtbar und für Interessierte greif- und auffindbar zu machen. Seit 1993 koordiniert sie jährlich diesen bundesweiten und wichtigen Aktionstag. Historische Orte mit allen Sinnen erlebbar zu machen, die Fragen der Interessierten unmittelbar zu beantworten und mit vielen anderen Menschen an einem Tag mit dem gleichen Ziel aktiv zu sein, all das macht den Tag des offenen Denkmals® als bundesweites Event so einzigartig für alle Beteiligten. Dabei ist es für den Betrachtenden manchmal gar nicht so einfach, sich von Denkmalen nicht „täuschen“ zu lassen. Denn oftmals sind Denkmale erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen oder aber täuschend echte Materialien und illusionistische Fassaden führen Besuchende buchstäblich an der Nase herum. Es ist daher etwas ganz Besonderes, einen Blick in einen Innenraum zu erhaschen, der normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Einmal in eine Welt abtauchen, die anders ist als der eigene Alltag, oder ein Gebäude erkunden, das man in der Eile für gewöhnlich gar nicht beachtet. Der Tag des offenen Denkmals® begeistert jedes Jahr aufs Neue: Immer am zweiten Sonntag im September öffnen bundesweit tausende historische Stätten für Millionen Besuchende ihre Pforten. Jedes Denkmal ist ein wahrer Wissensspeicher, in dem eindrucksvolle Geschichten stecken – sichtbar oder manchmal eben auch versteckt.

Im Zuge der noch anhaltenden Corona-Pandemie hat sich die Stadtverwaltung der Oranienstadt Dillenburg dazu entschlossen, das Format in diesem Jahr erstmals digital umzusetzen. Für diesen Zweck wurde ein Kurzfilm gedreht, der das Denkmal im alten „Veltbach“ aufzeigt: Die heutige Hof Feldbach-Ruine, welche zu den ältesten Gebäuden der Stadt zählt. Mit dem digitalen Beitrag steht somit nun allen interessierten Personen eine Informationsquelle zur Hof Feldbach-Ruine zur Verfügung, die künftig dauerhaft online abrufbar ist. Unter dem You Tube-Channel der Oranienstadt Dillenburg ist der Kurzfilm ab dem 12. September 2021 abrufbar.

Das frühere mittelalterliche Dorf „Veltbach“, das mitunter als Keimzelle der Oranienstadt Dillenburg angesehen werden darf, ist heutiger Teil des Dillenburger Stadtgebiets mit zahlreichen Wohnungen und Einfamilienhäusern. Noch heute ranken sich viele Geschichten und Legenden um dieses Gebiet, die sich über Jahrhunderte hinweg bis in die jüngste Vergangenheit hinein gehalten haben. Und mittendrin findet sich jene imposante Kirchenruine wieder. Nur wenige Nachrichten geben Kunde von der Entwicklung des Dorfes, welches seinen Namen, nach dem im Norden dicht unterhalb der Kirche von Westen nach Osten fließenden Feldbach, trug.
Unter Graf Otto von Nassau-Dillenburg (1247 – 1289) wurde im Dorf “Veltbach” die erste Kirche („Sankt-Nikolaus“), ein kleiner Rechteckbau mit einem quadratischem Chor, errichtet. Im 13. Jahrhundert erfuhr diese Kirche die Wunderkraft der Heiligen Elisabeth und wurde dadurch sogar zum Wallfahrtsort. Bis 1491 war sie die Pfarrkirche für Dillenburg. Allerdings wurde noch bis zur Reformation die Sonntagsmesse in ihr gelesen. Die erhaltenen Reste des Chores stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, als man die Erweiterung der Kirche begann. Im Jahre 1481 wurde die dazugehörige Pfarrei erhoben, aber bereits neun Jahre später ins benachbarte Dillenburg verlegt. Das war so etwas wie ein Vorbote, denn im 16. Jahrhundert wurde Feldbach zu einer Wüstung. Die Kirche wurde nun als Scheune genutzt, ehe sie 1862 einem verheerenden Brand zum Opfer fiel. Trotz eines teilweisen Wiederaufbaus blieb das Gebäude seither eine Ruine.

Das bis vor Kurzem einsturzgefährdete Dach des Objekts wurde bereits ertüchtigt und das Betreten der Ruine ist seither wieder eingeschränkt möglich. Dennoch bleibt die Kirchenruine zunächst für die Öffentlichkeit verschlossen. Nach einer weiteren Ertüchtigung in naher Zukunft soll die Ruine außerdem für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden und als weiterer touristischer Anziehungspunkt fungieren.

„Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. So lautet das Motto des Kulturevents in diesem Jahr und ist damit am Puls der Zeit. Denn stärker als je zuvor rückt die Frage nach dem Wahren in Gesellschaft, Politik und sozialen Medien in den Fokus: Sind die Dinge wirklich so, wie sie scheinen? Das Wechselspiel aus Ruine und ehemaliger Kirchenanlage und -nutzung im Spiegel von Sein und Schein. Was heute aussieht wie eine Ruine (Schein) war einst ein verzierter Kirchenbau (Sein) und wird in Zukunft kulturell genutzt (Sein). Hier lässt sich gut mit der Vorstellungskraft der Interessierten spielen: wie sah die Ruine noch vor vielen Jahrhunderten aus, wie wird sie in Zukunft aussehen und warum ist es wichtig, diese zu erhalten? Die Aufmerksamkeit auf scheinbar unscheinbare Denkmale zu lenken und die Notwendigkeit deren Erhaltung zu vermitteln, ist mitunter auch eine wichtige Aufgabe des Tags des offenen Denkmals®.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Protagonisten des Kurzfilms zum Tag des offenen Denkmals®. Unter Mitwirkung von Dr. Friedhelm Ackva (Pfarrer, Evangelische Kirche Dillenburg), Dr. Daniel Groth (Historiker), Joachim Dreher (Bezirkskantor, Katholische Pfarrei Herz Jesu Dillenburg) und Rudolf Krenzer (Drehorgelspieler) ist ein Kurzfilm vor Ort in der imposanten Kirchenruine entstanden.

Der Link zum Kurzfilm steht ab dem 12.09.2021 zur Verfügung:
https://youtu.be/LJIQX6gEdmk

Außerdem ist der Kurzfilm auf der offiziellen Webseite zum Aktionstag einsehbar:
Ruine Hof Feldbach – Gestern und Heute | Ruine Hof Feldbach (ehemals Sankt-Nikolaus-Kirche) | Tag des offenen Denkmals® (tag-des-offenen-denkmals.de)