Ausstellung & Lesung “Alte Dorfwelten”

So 02. September
Hofgarten, Wilhelmstraße
11-18 Uhr

Das Geschehen des Landmarktes im Hofgarten Dillenbrg wird ergänzt durch ein Kulturprogramm der ‚Roderich Feldes Gesellschaft‘ im Jugendwerk. Hier wird die Ausstellung „Alte Dorfwelten“ von 11-17 Uhr präsentiert und im Rahmen dieser Ausstellung findet um 17.00 eine Lesung der ‚Roderich Feldes Gesellschaft‘ statt.

Der ehemalige Dillkreis hatte das Glück, dass hier zwei Dichter lebten, die  zwei entscheidende Epochen der regionalen geschichtlichen Entwicklung  verkörpern. Es sind der Breitscheider Theologe Fritz Philippi und der Eschenburger Schriftsteller Roderich Feldes.

Wie hat sich die Gesellschaft und die Kulturform Dorf seit Anfang des Jahrhunderts verändert? Das zeigt die Ausstellung „Alte Dorfwelten“.  Die eindrucksvollen Fotos vom alten Dorf und seinem Wandel und die Texte von Philippi und Feldes, die  vier Mitglieder der Roderich Feldes Gesellschaft vortragen werden, können anschaulich machen, was der Mensch und seine Verbindung mit der Natur war und wie sie sein sollte. Die Bilder  erzählen von der Arbeit der Bauern, von ihren Tieren, ihrem Alltag: Sie zeigen: Die Menschen und die Natur waren aufeinander angewiesen. Also war man achtsamer. Ihre Kinder lernten die die meiste Arbeit von klein auf. Die Bilder zeigen aber auch den manchmal krassen Wandel.

Das Heimatdorf war früher für die Menschen der Mittelpunkt der Welt. Die Dinge darüber hinaus kannte man meist nur vom Hörensagen. Das Dorf lebte auch in den Menschen als Fixpunkt weiter, wenn sie in “die Fremde” gingen, wie das früher genannt wurde. Ihren Dialekt vergaßen sie nie.

Die Ausstellung war schon mit Erfolg in mehreren Orten im ehemaligen Dillkreis zu sehen.

 Menschengerecht planen

Beide Autoren haben sich für ihr Dorf engagiert. Philippi wollte das Breitscheider Töpferhandwerk durch eine Genossenschaft retten. Es war seine Achtung vor der Selbstständigkeit und Individualität der Töpferarbeit, die er in der Fabrikarbeit verschwinden sah. Und Feldes hat sich für viele dörfliche Umweltbelange und für die Heimatgeschichte in Eschenburg eingesetzt.

Aus den alten Bildern könnten wir auch etwas für unsere heutige Zeit lernen. Zum Beispiel, wie man in Neubaugebieten Häuser so anlegen könnte, dass Nachbarschaften sich leichter ergeben, dass man nicht nur verkehrsgerecht planen sollte.

Portrait zweier heimischer Dichter. Was Heimat war und sein kann.

Roderich Feldes (1946-1996) und Fritz Philippi(1869-1933)

Fritz Philippi lebte als Pfarrer nach 1900 in Breitscheid. Er schilderte mit Witz und Scharfsinn das soziale Leben auf dem Dorf. “Es ist ein rauh Geschlecht”, schrieb der Pfarrerdichter, dies auch mit  Zuneigung über seine Schäfchen. Und über die Natur schrieb er ‚von der rauen, auch betörenden Wildnatur‘.

Philippi kannte noch das   Leben auf dem Westerwald, aber auch die Kreishauptstadt Dillenburg in der Zeit nach 1900. Das alte Dorf gab es noch, wie seit Jahrhunderten, aber die Industrie begann damals zu expandieren und das soziale Leben zu verändern.

Roderich Feldes, der in den fünfziger Jahren in Offdilln aufwuchs, erzählte auch noch vom alten Dorf, aber er schildert den einschneidenden, ja krassen Wandel, den Einzug der Moderne in das Dorf, so auch den der Konsumwelt. Feldes lässt das Besondere der untergegangenen dörflichen Welt noch einmal aufleben, als Vergangenes.

Beide Autoren wurden im ganzen deutschen Sprachraum anerkannt und gelesen. Mehrere Werke von Feldes wurden vom ARD für das Fernsehen verfilmt. Seine Hörspiele werden noch gesendet.

Der  Beitrag der beiden Autoren zeigt uns, was Heimat war und sein kann, was die Verbindung von Mensch und Natur war und sein kann. Ihr Beitrag ist bedeutend auch für eine Ökologie.

Veranstalter: Roderich Feldes Gesellschaft in Kooperation mit der Oranienstadt Dillenburg